16. November 2018

AMRISWIL : 1 Jahr "iSatz"-Projekt: Hauptgewinner sind die Klienten

Im Herbst 2017 ist die Stadt Amriswil mit dem Projekt «iSatz» gestartet, bei dem Sozialhilfe-Empfänger einfache Arbeiten für die Öffentlichkeit und für Private leisten. Nach einem Jahr zieht der Stadtrat positive Bilanz: Das Projekt ist bisher erfreulich und unfallfrei verlaufen – und es entlastet die Stadtkasse. Ab sofort kommen auch Asylsuchende für Einsätze in Frage.

Roger Häni | redaktion@oberthurgau.ch

An der gelben Weste zu erkennen: Ein iSatz-Teilnehmer hilft dem Werkhof beim Lauben. (Bild Stadt Amriswil)
An der gelben Weste zu erkennen: Ein iSatz-Teilnehmer hilft dem Werkhof beim Lauben. (Bild Stadt Amriswil)

Das Projekt «iSatz» scheint allen Seiten zu dienen: Einerseits sind die Sozialhilfekosten in Amriswil erstmals seit Jahren wieder gesunken. Andererseits profitieren die Auftraggeber von den geleisteten Arbeitseinsätzen unterschiedlichster Art. «Hauptgewinner sind aber die Klienten selbst oder zumindest jene, welche die Chance nutzen und erkennen», sagt die Amriswiler Stadträtin Daniela Di Nicola (Ressort Soziales).

«Nebst geordneten Tagesstrukturen und dem Gefühl, auf dem Arbeitsmarkt wieder gebraucht zu werden, hat das Projekt den erfreulichen Nebeneffekt, dass die Klienten wieder beginnen, sich aktiv für offene Stellen zu bewerben», so Di Nicola. Bemerkenswert: Schon vier Personen haben dank «iSatz» den Sprung in den Arbeitsmarkt geschafft.

Rund ein Dutzend Personen sind innerhalb des vergangenen Jahres für das Projekt im Einsatz gestanden – ausschliesslich Männer. Zu verrichten waren mehrheitlich Arbeiten, die eine gewisse körperliche Konstitution voraussetzen. «Ziel bleibt es aber, künftig auch Frauen in dieses Projekt zu integrieren.» Daniela Di Nicola denkt etwa an Reinigungsarbeiten, die bei der neuen Sporthalle im Tellenfeld anfallen werden. «Die ‹iSatz›-Teilnehmer sollen möglichst regelmässig und täglich zum Einsatz kommen, damit sie eine Tagesstruktur bekommen», hält die Stadträtin fest.

Nachfrage übertrifft Angebot
Ohne viel Werbung zu machen, vor allem dank Mund-zu-Mund-Propaganda, hat im ersten Projektjahr die Nachfrage für Einsätze das Angebot an Arbeitskräften überstiegen. Nun weitet die Stadt den Personal-Pool von Sozialhilfe-Empfängern auf Asylsuchende aus. Es handle sich hierbei nicht um die Leute vom Empfangszentrum in Kreuzlingen, welche man in der Region vom «Fetzeln» her kenne, sondern um die Asylsuchenden, welche der Stadt Amriswil zugeteilt seien, erklärt Daniela Di Nicola. «Zwei bis drei Personen kommen per sofort für unser Projekt in Frage.»

Rund 6000 Arbeitsstunden
Ein Blick auf die Einsatzstatistik der ersten zwölf Projekt-Monate zeigt, dass der Grossteil der Einsätze (ca. 5500 Stunden) für die öffentliche Hand und das Gewerbe geleistet wurden. Immerhin 500 Stunden – von Unkraut jäten und Vorplatz wischen bis zum Keller entrümpeln – wurden aber auch für Private geleistet.

Leider zeigt die Statistik auch einen hohen Anteil an Fehlstunden (nicht zur Arbeit erschienen) oder krankheitsbedingten Absenzen. «Dies fällt vor allem dann ins Gewicht, wenn Gewerbebetriebe das Erscheinen unserer Leute bereits fest eingeplant haben», weiss Daniela Di Nicola.

Nichtsdestotrotz sei «iSatz» positiv angelaufen. Zu verdanken sei dies Projektleiter Hansjakob Laib. «Er versteht es, einerseits mit einer gewissen Härte, andererseits aber auch mit der gebotenen Achtsamkeit mit den Projektteilnehmern umzugehen», lobt Di Nicola.

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